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Plastische, Rekonstruktive & Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie
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Körperformende Chirurgie und Straffungsoperationen nach Gewichtsverlust

Die Änderung der Körperform ist ein natürlicher Prozess und betrifft früher oder später jeden Erwachsenen. Mit zunehmendem Alter ändern sich die Beschaffenheit und die Elastizität der Haut als auch des darunterliegenden Bindegewebes. Die Folge ist vor allem eine Erschlaffung des Hautweichteilmantels, welche zu einer sichtbaren Änderung der Körperform führt. Nun handelt es sich beim Alterungsprozess um einen physiologischen Prozess und die Änderungen treten meistens langsam ein. Bei Menschen nach massivem Gewichtsverlust treten die Änderungen allerdings in einem zeitlich beschränkten Zeitraum ein und können zu vielfältigen Problemen führen, die den behandelnden Ärzten bekannt sein müssen.


Zum einen muss der psychologische Aspekt berücksichtigt werden, der sehr komplex sein kann. Während ein Teil der Betroffenen ein gesteigertes Selbstwertgefühl empfindet, beklagen nicht wenige hingegen einen Verlust ihrer Identität (1). Oftmals verfallen die Betroffenen in alte Gewohnheiten und nehmen wieder an Gewicht zu (2). Zum anderen führt der massive Gewichtsverlust zu funktionellen Problemen. Die großen Hautfalten erschweren die körperliche Betätigung und begünstigen durch das feuchte Hautmilieu die Entstehung von hartnäckigen Pilzerkrankungen.


Dank der Fortschritte in der bariatrischen Chirurgie kann schwere Adipositas immer besser behandelt werden. Aufgrund der Erfolge erhöht sich die Anzahl der jährlichen Operationen stetig und dementsprechend erhöht sich auch die Anzahl der Menschen, die unter den Folgen von massivem Gewichtsverlust leiden. Die plastische Chirurgie kann hier durch körperformende Chirurgie („body contouring“, post-bariatrische Chirurgie) vielen Betroffenen helfen. Erst vor Kurzem konnte eine retrospektive Studie aus dem Universitätsklinikum Erlangen zeigen, dass die körperformende Chirurgie nicht nur die körperliche Aktivität steigern kann, sondern auch einen messbar positiven Einfluss auf die Lebensqualität hat (3).

Im Folgenden möchten wir auf die häufigsten plastisch-chirurgischen Eingriffe, geordnet nach Körperregion, eingehen:

Die Oberarmform wird durch ein komplexes Spannungsnetzwerk aus kollagenem Bindegewebe, sogenannte oberflächliche und tiefe Faszien, gehalten. Sie umhüllen die Muskulatur und stabilisieren zusätzlich durch ihr oberflächliches Fasersystem die Lage des Fettgewebes und der darüberliegenden Haut. Im Rahmen eines massiven Gewichtsverlustes kommt es hierbei insbesondere zu einer Schwächung des oberflächlichen Systems (4). Möglicherweise liegt der Schwächung ein irreversibler Verlust des stabilisierenden Kollagens zu Grunde, der eben nur bedingt durch Sport oder Ernährung beeinflusst werden können (5, 6).


Je nach Ausprägung des Haut-Weichteil-Überschusses kommen verschiedene operative Verfahren zum Einsatz. Welches Verfahren am besten geeignet ist, wird in einem persönlichen Gespräch und einer ausführlichen körperlichen Untersuchung der betroffenen Region festgelegt. Bei moderatem Überschuss erfolgt in der Regel eine Kombination aus Wasserstrahl-assistierter Liposuktion (WAL-Fettabsaugung) und die Entfernung von überschüssigem Gewebe aus der Oberarminnenseite. Die Schnittführung reicht bei moderatem Überschuss von der Ellenbeuge bis zur Achselhöhle, aufgrund ihrer Lage auf der Innenseite des Oberarmes tritt die spätere Narbe im Alltag allerdings nur selten in Erscheinung. Bei stärkerer Ausprägung reicht die Schnittführung sogar bis zur seitlichen Brustwand, um ein gutes Straffungsergebnis zu erzielen. Lediglich bei sehr kleinen Hautüberschüssen kann auch ein narbensparendes Mini-Lifting durchgeführt werden.


Anhand der genannten Verfahren können in der Regel sehr gute Straffungsergebnisse für alle Ausprägungen erzielt werden. Allerdings ist dies nur unter Inkaufnahme von langen Narben möglich, weswegen eine ausführliche, prä-operative Aufklärung über das zu entstehende Narbenbild und andere Komplikationen unerlässlich ist.


Eingriffsdauer: 60-120 Minuten
Dauer der Wundheilung: 2-3 Wochen
Sportliche Betätigung unter Einsatz der Arme nach 6 Wochen möglich.

Die Wiederherstellung der Brustform nach Gewichtsverlust gehört zu den anspruchsvollsten plastisch-chirurgischen Maßnahmen im Rahmen der post-bariatrischen Chirurgie. Der Hautüberschuss und die Erschlaffung des Weichteilmantels führen oftmals zu Bildung eines feuchten Milieus im Bereich der Unterbrustfalte, die zu Hautirritationen führen kann. Weiterhin kommt zu einem Absinken der Brustwarze, weswegen die straffenden Operationen neben der Entfernung des Hautüberschusses auch immer die Repositionierung der Brustwarze zum Ziel haben. Um diese Repositionierung zu erreichen, bedarf es meistens einer Schnittführung, die zu einer umgekehrten T-förmigen Narbe führt, die von der Brustwarze bis zur Unterbrustfalte reicht. Bei weiblichen Patienten besteht zudem das Problem, dass die massive Gewichtsabnahme zu einem Verlust der Brustkontur bzw. der Projektion führt. Hier gilt es diese mittels körpereigenem Gewebe so weit wie möglich wiederherzustellen. Je nach Ausprägung kommen hier sogenannte Lappenplastiken wie der Ribeiro-Lappen und/oder der LICAP-Lappen zum Einsatz, die in der Regel keine zusätzlichen Schnitte benötigen (7, 8). Sollte die gewünschte Brustkontur durch das Eigengewebe nicht ausreichend wiederhergestellt werden, können die Brüste in einem weiteren Eingriff mittels Silikonimplantaten aufgebaut werden. Dieser Eingriff sollte dann allerdings separat erst nach kompletter Abheilung der Wunden der Straffungsoperation in einem Abstand von etwa drei bis sechs Monaten erfolgen.


Auch hier müssen alle Eingriffe und ihre möglichen Komplikationen prä-operativ gründlich besprochen werden. Es muss immer realisiert werden, dass diese Eingriffe zu einer nicht unerheblichen Wundfläche unterhalb der sichtbaren Narbe führen. Deshalb raten wir bei ausgeprägten Bruststraffungen von einer gleichzeitigen Straffung des Bauches oder der Oberarme ab, um das Risiko für allgemeine Komplikationen wie Nachblutungen und Wundinfektionen möglichst gering zu halten.


Eingriffsdauer: 90-240 Minuten
Dauer der Wundheilung: 2-3 Wochen
Leichte sportliche Betätigung nach 3 Wochen möglich
Tragen von Kompressionswäsche bzw. eines Kompressions-BH für 6 Wochen

Nach einer massiven Gewichtsabnahme tritt fast immer ein Hautweichteilüberschuss im Bereich des Bauches bzw. des Abdomens auf (9). Dieser Hautweichteilüberschuss kann zu vielfältigen Problemen führen. Bei manchen Patienten äußern sich diese Probleme lediglich in Form von Hautirritationen wie Rötungen oder Juckreiz. Bei anderen Patienten wiederum können sogar offene Wunden oder gar Pilzinfektionen entstehen. Letztendlich können die großen Hautfalten zu einer deutlichen Beeinträchtigung von alltäglichen, aber auch beruflichen Aktivitäten führen, weshalb die Betroffenen oftmals eine verminderte Lebensqualität beklagen (2).


Je nach Ausprägung des Hautweichteilüberschusses werden unterschiedliche operative Verfahren durchgeführt. Welches Verfahren am besten geeignet ist, wird in einem persönlichen Gespräch und nach einer ausführlichen körperlichen Untersuchung der betroffenen Region entschieden.


Bei einem Überschuss am Unterbauch erfolgt in der Regel eine horizontale Straffung des Bauches mit oder ohne Versetzen des Bauchnabels. Der Schnitt erfolgt wenige Zentimeter über dem Schambereich, damit die postoperative Narbe später durch die Unterwäsche verdeckt werden kann. Bei einem störenden Weichteilüberschuss im Bereich des Mons pubis (Venushügel) kann dieser sehr einfach im Rahmen der Bauchdeckenstraffung mitgestrafft werden.


Bei einem Überschuss am Unter- und/oder Oberbauch wird zusätzlich auch eine Straffung in der vertikalen Ebene durchgeführt, um ein gutes Straffungsergebnis zu erzielen (sog. Fleur-de-Lis-Technik). In diesem Fall kann die Schnittführung sogar bis zum Brustbein reichen.


Eingriffsdauer: 90-180 Minuten
Dauer der Wundheilung: 2-3 Wochen
Sportliche Betätigung nach 6 Wochen möglich
Tragen von Kompressionswäsche für 6 Wochen

Viele Patienten leiden nach massiver Gewichtsabnahme an einem Hautüberschuss im Bereich der Oberschenkelinnenseiten, die je nach Ausprägung die sportliche Aktivität bzw. das Gehen aufgrund vermehrter Reibung beeinträchtigen können (10).


Die Oberschenkelstraffung wurde zum ersten Mal vor 50 Jahren von Lewis beschrieben. Die originale Technik wurde seitdem modifiziert bzw. perfektioniert (11). Aktuell wird die Oberschenkelstraffung häufig mit einer WAL-Liposuktion kombiniert, da die Liposuktion die Lymphbahnen und Blutgefäße schont. Dadurch kann das Komplikationsrisiko minimiert und der Heilungsprozess beschleunigt werden (12).


Wenn der Hautweichteilüberschuss an den Innenseiten liegt, läuft die Schnittführung im Bereich der Hosennaht von der Leiste bis zum Knie. Lediglich bei sehr kleinen Hautüberschüssen kann auch ein narbensparendes Mini-Lifting durchgeführt werden.


Eingriffsdauer: 120-180 Minuten
Dauer der Wundheilung: 2-3 Wochen
Sportliche Betätigung nach 6 Wochen möglich
Tragen von Kompressionswäsche für 6 Wochen

1. Griauzde DH, Ibrahim AM, Fisher N, Stricklen A, Ross R, Ghaferi AA. Understanding the psychosocial impact of weight loss following bariatric surgery: a qualitative study. BMC Obes. 2018;5:38.
2. Perdue TO, Schreier A, Swanson M, Neil J, Carels R. Majority of female bariatric patients retain an obese identity 18-30 months after surgery. Eat Weight Disord. 2020;25(2):357-64.
3. Cai A, Maringa L, Hauck T, Boos AM, Schmitz M, Arkudas A, et al. Body Contouring Surgery Improves Physical Activity in Patients After Massive Weight Loss-a Retrospective Study. Obes Surg. 2020;30(1):146-53.
4. Lockwood T. Brachioplasty with superficial fascial system suspension. Plast Reconstr Surg. 1995;96(4):912-20.
5. Orpheu SC, Coltro PS, Scopel GP, Gomez DS, Rodrigues CJ, Modolin ML, et al. Collagen and elastic content of abdominal skin after surgical weight loss. Obes Surg. 2010;20(4):480-6.
6. Gallo JRB, Maschio-Signorini LB, Cabral CRB, de Campos Zuccari DAP, Nogueira ML, Bozola AR, et al. Skin Protein Profile after Major Weight Loss and Its Role in Body Contouring Surgery. Plast Reconstr Surg Glob Open. 2019;7(8):e2339.
7. Modolin M, Cintra W, Jr., Silva MM, Ribeiro L, Gemperli R, Ferreira MC. Mammaplasty with inferior pedicle flap after massive weight loss. Aesthetic Plast Surg. 2010;34(5):596-602.
8. Wolter A, Scholz T, Pluto N, Diedrichson J, Arens-Landwehr A, Liebau J. [Mastopexy in Massive Weight Loss Patients - Extended Ribeiro Technique and Usage of the Lateral Intercostal Artery Perforator Flap (LICAP Flap) for Autoaugmentation]. Handchir Mikrochir Plast Chir. 2017;49(6):380-9.
9. Giordano S, Victorzon M, Koskivuo I, Suominen E. Physical discomfort due to redundant skin in post-bariatric surgery patients. J Plast Reconstr Aesthet Surg. 2013;66(7):950-5.
10. Michaels J. Vertical Medial Thigh Contouring. Clin Plast Surg. 2019;46(1):91-103.
11. Bertheuil N, Carloni R, De Runz A, Herlin C, Girard P, Watier E, et al. Medial thighplasty: Current concepts and practices. Ann Chir Plast Esthet. 2016;61(1):e1-7.
12. Di Pietro V, Gianfranco MC, Cervelli V, Gentile P. Medial Thigh Contouring in Massive Weight Loss: A Liposuction-Assisted Medial Thigh Lift. World J Plast Surg. 2019;8(2):171-80.

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